World's largest Berlin 3rd floor cemetery juxtaposition network
 
 

 

 
Artikel
 

Eine Metapher des Fortschritts

Der Erfinder des Fortschrittsbalkens feiert seinen sechzigsten Geburtstag.

Selten sah man die lässigen Spitzenverdiener von Silicon Valley in solch einträchtiger Abendrobe versammelt. Nicht ein Paar Turnschuhe, keine ausgefledderte Jeans zum Cocktail-Hemd, nicht einmal die bei Regierungsempfängen üblichen neonfarbenen Westen setzten im Publikum jene Spitzlichter der Distanz, die die Tastaturvirtuosen der Breakpoint-Elite so gerne zur Schau tragen.

Nein, hier war ganz offensichtlich ein besonderer Anlass, den man am letzten Freitag im leergeräumten und vollbesetzten Stop & Shop südlich von San Francisco auf dem berühmten Highway 66 feierte. Und tatsächlich, so tief die Gräben zwischen Microsoft, Linux und Apple auch sein mögen, hier waren die Koryphäen der Computerwelt alle versammelt. Denn kaum eine Erfindung hat die Geschichte des modernen Computers so positiv beeinflusst wie die des gefeierten Howard Jenkins, der leicht verlegen unter tosendem Applaus die diesjährige goldene Bootsequenz in Empfang nahm.

Die Geschwindigkeit von Computern sei eine Vermittlungsfrage, hatte Eröffnungsredner V. Ken Weight, CEO von Suitable Velocity Inc., in seiner Würdigung vernehmen lassen. Menschen verwiesen bei Verspätungen gern auf Sachzwänge wie säumige Straßenbahnen oder verkühlte Gattinnen. Computer könnten dies nicht, sie seien auf die ständige Vermittlung ihrer Bemühungen angewiesen, auf die Zurschaustellung ihrer zeitraubenden Arbeit, um das Vertrauen in die Nützlichkeit ihrer Anstrengungen aufrecht zu erhalten. Niemand hat diesen Kampf so deutlich sichtbar gemacht wie Howard Jenkins, der längst zur Legende gewordene Erfinder des Fortschrittsbalkens.

Im Anfang war die Warteschleife

Seit seiner Jugend sorgte Howard für Aufsehen. Sein Studienkollege Donald Watchful erinnert sich: "Ich lernte Howard Ende der 60er-Jahre kennen. Er war ein Mensch, der sich nicht einmal selbst die Schuhe zubinden konnte, aber er war genial. Er konnte fast alle Präsidenten der USA aufzählen und drei europäische Religionsstifter. Manchmal stand er plötzlich neben mir und flüsterte mir ins Ohr: 'Hören ist nicht alles!' Damals glaubte ich, er sei betrunken, aber heute weiß ich: er hatte Recht."

Als Assistent am Graphical User Institute der Michigan State University (MSU) war Jenkins 1971 mit der Entwicklung einer speziellen Klasse rekursiver Langzeit-Warteschleifen beschäftigt, die in Merlin 3330-Prozessoren Laufzeitprobleme verursachen können. Er erkannte, dass bei der Ausführung einiger Sonderfälle dieser Schleifen sehr lange Vor- und Nachlaufzeiten entstehen konnten, tat jedoch nichts dagegen.

Prof. Howl T. Line vom UCSD Closed Loop Dept., damals Leiter des Forschungsprojektes, erklärt: "Es war eine so großartige Idee von Jenkins, die Dinge sich selbst zu überlassen. Wir hatten Wartezeiten von 30 Tagen und länger. Manche Mitarbeiter stiegen aus dem Projekt aus, weil sie nicht mehr so lange warten wollten. Aber Jenkins hielt durch. Er war der hartnäckigste Mitarbeiter, den ich jemals hatte. Tagelang saß er vor dem Bildschirm, und auch wenn überhaupt nichts zu sehen war, wusste er auf die Stunde genau, wann die nächste Million Schleifendurchläufe vollendet war, sofern nicht ein Prozessorabsturz der Endlosschleife vorzeitig ein Ende setzte. Es war eine wunderbare Zeit. Wir saßen vor den Terminals und warteten auf die Abstürze wie Kinder vor dem Froschteich."

Die Situation änderte sich schlagartig, als 1972 die 8008er-Chips von Intel auftauchten. Sie waren wesentlich schneller als die alten Merlin-Prozessoren und hatten keine Laufzeitprobleme mehr, so dass die Schleifen wesentlich öfter durchlaufen konnten, aber dafür nicht mehr abstürzten. So entstand die paradoxe Situation, dass sich die Wartezeiten durch den neuen, schnelleren Prozessor ins Unendliche erhöhten: "Es dauerte nur wenige Monate, bis alle Mitarbeiter ausgestiegen waren und Jenkins und ich am Schluss alleine dasaßen. Das war die Situation, in der Jenkins seinen Balken entwarf."

Heute erinnert sich der Gefeierte mit einem Lächeln an seine Anfangszeiten: "Ich hatte die fixe Idee, einen Balken zu machen. Es ließ mich nicht mehr los. Ich ging abends mit der Idee ins Bett und stand morgens mit ihr wieder auf. Es war sonderbar. Wir waren damals alle so."

[weiter]


Dieser Artikel ist hier noch nicht zu Ende. Er geht noch weiter.